Nichts wird so sehr für Übertreibung gehalten wie die nackte Wahrheit
Joseph Conrad
Das Leben schreibt die besten Geschichten. An die Storys heranzukommen ist nicht immer leicht. Manchmal liegt der Stoff vor der Haustür. Manchmal muss man Glück haben, weit reisen oder wochenlang recherchieren. Auf dem Schreibtisch landen solche Geschichten selten. Wer sie finden will, muss raus in die Welt. Einstein sagte es so: "Die Fische werden das Wasser als letzte entdecken."
Fotos: Marc Bielefeld
Große Fische
Dutzende Seemeilen vor der Küste Sri Lankas liegen die Fischer mit ihren schmalen Auslegerbooten und bringen die Netze auf weitem Meer per Hand aus. Ein gefährlicher Job. In den Nächten werden einige von Frachtern mitgerissen, andere holt sich der Sturm. Die Fischer haben keinen Kompass an Bord, keinen Funk, keine Rettungswesten. Ihr Essen wickeln sie in Zeitungspapier ein, neben dem Fanggeschirr haben sie nur das nötigste dabei. Ihre Hände, ihren Mut. Zigaretten und Arrack, billigen Schnaps aus Kokosblüten. Aber sie jagen einen Schatz. Den großen Blauflossenthunfisch des Indischen Ozeans.
Erschienen in "Merian"
Der Sturm
Können 40 Tonnen schwere Katamarane 200 Meter weiter durch die Luft fliegen? Können ausgewachsene Segelyachten wie Spielzeuge kopfüber auf Parkplätzen landen? Kann der Wind vier Zentimeter dicke Glasfaserrümpfe zerfetzen, einem Mensch die Lunge aus dem Leib reißen und eine Insel binnen zwölf Stunden in eine Trümmerwüste verwandeln? Ja, das geht. Möglich machte es Hurrikan "Irma", der sich mit 300 km/h über die Britischen Jungferninseln schraubte.
Erschienen im Magazin "Yacht"
Wenn der Wind mit Stärke 12 weht und die Wellen acht Meter hoch sind, ist es Zeit für den Helikopter
Im Himmel über der Nordsee
Sturm und Zwang: Im Orkan fliegen Spezialpiloten die Seelotsen mit dem Helikopter aufs Meer und seilen die Männer zwischen Wellenbergen und rasenden Böen auf die Schiffe ab. Ein Manöver für starke Nerven, ohne das Wirtschaft und Schiffahrt ins Stocken kämen.
Erschienen bei "mare"